"Auch solche kleinen Spielszenen sollen nicht nur den dramaturgischen Gesetzen folgen und eine gewisse Botschaft transportieren", betont der Werkstattleiter. Er weist die Darsteller nicht an, er gibt ihnen Tipps. In dem Entstehungsprozess eines Stücks und der bühnenreifen Umsetzung komme es gelegentlich auch zu einem toten Punkt. Dann gelte es für die Akteure, das Problem zu erkennen und sich durch alternative Versuche aus dieser Klemme zu befreien. Für Stephan Greve ist diese Form der Theaterarbeit kein leichter Job: "Man muss da viel Energie hineinstecken", verrät er. Alles sei bei diesem Stil so ganz anders als beim so genannten "Schenkelklopf"-Theater auf manchen Dorfbühnen.


Dass bei alledem zugleich ein Beitrag zum Erhalt der plattdeutschen Sprache geleistet wird, wissen auch die Veranstalter mit ihrer finanziellen Unterstützung zu würdigen - unter anderem die Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg, die Landesarbeitsgemeinschaft "Spiel in Schleswig-Holstein" und der Schleswig-Holsteinische Heimatbund.

KN vom 01.02.2016

Holsteiner Courier vom 13.02.17


Uraufführung „Twee Bröder“ am 10.02.2017


NEUMÜNSTER | Einmal im Jahr steht bei der Niederdeutschen Bühne nicht der Humor im Mittelpunkt, sondern dann führt die ambitionierte Amateurbühne ein Stück mit anderem Anspruch auf. Warum? Weil sie es kann. Das beweist sie gerade einmal mehr mit „Twee Bröder“. Das niederdeutsche Kriminalstück hatte am Freitagabend seine Uraufführung – und die ist sehr gelungen.

Die NBN verlässt sich dabei komplett auf Stephan Greve Der freiberufliche Theatermann aus dem Kreis Plön hat das Stück nicht nur geschrieben, sondern er führt auch die Regie, ist für das Bühnenbild und selbst die Musik zuständig. Obendrein bringt Greve seine Frau mit nach Neumünster, denn Angela Greve spielt eine der beiden Frauen in diesem Krimi. Stephan Greve hat in dieser NBN-Saison auch schon „Twee as Bonnie und Clyde“ inszeniert und probt bereits an dem März-Stück.

Henrik Schloth (souverän: Dieter Milkereit) ist Bauunternehmer und besticht auf einer privaten Feier den Bürgermeister Georg Tiege (herrlich großkotzig: Holger Krützfeld), damit der ihm eine Baugenehmigung unterschreibt. Die Ehefrauen Agnes Schloth (Simone Schwarzenberger) und Sabine Tiege (schön verzweifelt: Angela Greve) bekommen das nicht mit. Plötzlich taucht Wolfgang Schloth (faszinierend: Jürgen Göttsche) auf, Henriks Bruder. Er hat wegen Mordes im Gefängnis gesessen, aber die neue DNA-Technik hat nach 18 Jahren, drei Monaten und sechs Tagen seine Unschuld erwiesen.

Von einer Sekunde zur nächsten ist alles anders, und der Zuschauer spürt bald, dass es hier unheilvolle Verstrickungen, tiefe Wunden aus der Vergangenheit und viele Lügen und Selbstbetrug gibt. Die kommen nach und nach quälend zum Vorschein, und am Ende kommt natürlich auch heraus, wer damals der Mörder war.

Autor Greve hat sich sehr viel vorgenommen mit diesem Stück. Es geht um Schuld und Sühne und um Antworten auf diese Fragen: „Wann erlischt das Feuer der Lebensfreude? Wann wird aus Hoffen Stumpfsinn und aus Stumpfsinn der Wille des Lebens? Wann schaffen wir es, zu verzeihen?“, wie er selber über „Twee Bröder“ sagt. Einige Antworten liefert Greve. Nach ein paar zähen Momenten zu Beginn nimmt das Stück schnell Fahrt auf, und zum Finale hin sind die Nerven der gut 130 Premierenbesucher auf Hochspannung. Am Ende feierten sie das Ensemble mit viel Applaus und Bravo-Rufen.